Samstag, 20. Februar 2016

Häkeln ist jetzt "cool"...

Ich erinnere mich an Zeiten in meiner Kindheit und Jugend, da waren Hobbies wie Häkeln und Stricken eher was für Omas und mit das "un-coolste" überhaupt. Etwas wozu man im Unterricht gezwungen wurde, was ich persönlich immer schade fand, da es mir immer Spaß gemacht hat. Habe es trotzdem getan. Man sprach halt nicht drüber. Und als Südländer-Kind wurde es irgendwie vorausgesetzt, dass man es konnte ;)
Später hatte es einen leichten Öko-Beigeschmack. Was nicht schlimm ist, man wurde nur wieder in eine Kategorie gesteckt. Unser Professor für Entwicklungspsychologie - ein richtiger Alt-68er - erzählte über Zeiten, in denen Studentinnen alle im Hörsaal mit den Stricknadeln klimperten. Und heute ist es ein richtiger Trend. Zu Zeiten, an denen viele nicht mehr wissen, wie man einen Knopf annäht, erntet man hier häufig Bewunderung und Komplimente! Aber es nicht nur Hipster-Trend oder etwas für Jungdesigner, die ihre Projekte im Internet verkaufen, sondern es ist etwas für Jung UND Alt. Etwas was Generationen vereint. Etwas für Hipster, Ökos und Otto-Normal-Verbraucher. Ich merke es immer wieder im Kollegenkreis oder auf Seminaren. Man kommt gleich ins Gespräch. Und was man heute alles Stricken oder Häkeln kann: Sehr beliebt sind Amigurumi - kleine niedliche Figuren, die ich Euch heute mal zeigen möchte.
Aber auch Home-Decor-Gegenstände wie Platzsets, Körbe, Utensilos, Teppiche, Fußmatten, Lampenschirme, Bilder, Bilderrahmen, Hockerüberzüge, Sitzpoufs, Kuscheldecken und, und, und... Natürlich auch die klassischen Schals, Mützen, Beanies, Armstulpen und in diesem Winter verstärkt Ponchos.
Selbst die Materialien werden immer vielseitiger - dazu aber später mehr.

Heute möchte ich Euch erstmal meine ersten Gehversuche im Amigurumi-Häkeln präsentieren. Es macht wirklich Spaß und man findet viele kostenlose schriftliche Anleitungen im Internet oder Schritt-für-Schritt-Videos bei Youtube:


Ein Goldfisch - für den ersten Versuch war ich schon sehr zufrieden.

Das nächste war natürlich ein kleiner Drache! Ich liebe ihn. 
Auch wenn er an die Vorlage nicht 100% dran kommt. 


Diese Eule geht super-einfach und schnell. Mittlerweile treibt sie mich in den Wahnsinn, weil ich fast täglich bei Pinterest eine Nachricht bekam, dass die Original-Anleitung repinnt wurde. :D 
Aber ansonsten immer noch zuckersüß. Als Schlüsselanhänger bestimmt ganz toll. 

Dann durfte es auch mal etwas herausfordernder werden. Auf dieses Häschen bin ich besonders stolz:


Auch hier gab es die Anleitung kostenlos im Internet. Bunny sitzt jetzt bei mir im Büro...


Ich habe mich dann beim Häkeln aber wieder von Amigurumi entfernt. Es nervt mich, wenn ich etwas ein zweites Mal wiederholen muss. Also nochmal der selbe Arm, oder Bein oder Ohr. Ich möchte immer wieder was Neues probieren. Und ich habe festgestellt, dass ich es ganz furchtbar finde, wenn ich Augen sticken oder Filzstücke annähen muss. Also bin ich schnell zu anderen Projekten gewechselt. Einmal nach einer Kreativmesse zur Halloweenzeit in Frankfurt, hat es mich noch einmal gepackt:


Ein kleiner Dekokürbis ♥ Hier musste man auch nichts wiederholen und kaum sticken ;)

Also traut Euch ran - ich habe es mir über Erklärvideos wieder selbst beigebracht! Nach über 15 Jahren wusste ich nichts mehr. Man kommt so schnell wieder rein. Man muss sich nur trauen!

Viel Spaß dabei!
Eure draggoon

Freitag, 19. Februar 2016

Aber jeder braucht doch ein Wohnzimmer!

Braucht man eigentlich ein Wohnzimmer?

Eine Frage, die mich immer mal wieder einholt. Nicht nur bezogen auf ein Wohnzimmer sondern ganz allgemein. Brauche ich das wirklich? Wozu? Bin ich dann glücklicher? Wirklich? In Frankfurt gibt es einen Laden der "Kauf Dich glücklich" heißt. Ernsthaft? Kann man sich glücklich kaufen?

Als ich mit etwa 23 Jahren aus meinem Elternhaus in meine erste Mietwohnung gezogen bin, habe ich fast meine gesamten Ersparnisse in die Wohnungseinrichtung gesteckt. So wie sich das gehört. Eine neue Einbauküche, einen schönen Wohnzimmerschrank, neuer Teppich, Vorhänge usw. Ich erinnere mich noch an die damalige Diskussion mit meinem 11 Jahre älteren Bruder darüber, ob man eine neue Einbauküche braucht, oder ein neues Auto. Er selbst wohnte in einer Großstadt, in der die Mietpreise nicht vergleichbar waren mit dem Örtchen, in dem ich wohnte. Was ich für meine 60 qm gezahlt habe, hätte dort kaum für ein Zimmer gereicht. Er zog also damals in eine zweier-WG, um sich die Wohnung überhaupt leisten zu können. Ohne Wohnzimmer. Ich hätte mir eine Wohnung ohne Wohnzimmer absolut nicht vorstellen können. Wo soll denn der Besuch sitzen? Wie, in der Küche? An dem kleinen Tisch? Außerdem, ist das doch unbequem. Die ganze Zeit auf Stühlen, das kann man doch niemandem zumuten? Und ja ich hätte auch eine gebrauchte Küche kaufen können, oder ähnlich wie bei einer Studenten-WG erstmal zusammengewürfelte Küchenmöbel. Aber nein, es muss natürlich eine schöne Küche rein, die anderen haben das doch auch. Das wär doch peinlich, einfach so wahllos zusammengestellte "Reste". Ne, das hat schon alles seine Richtigkeit. Dafür hatte ich ja auch vor meinem Auszug gespart.

Fünf Jahre später hat sich meine Lebensplanung dann spontan geändert: Ich wollte studieren, in Darmstadt, also über 300 km entfernt. Im Einzugsgebiet von Frankfurt, in dem die Mieten auch nicht viel rosiger aussehen als im Wohnort meines Bruders. Dafür musste ich meine Wohnung aufgeben und in ein winziges Studentenwohnheim ziehen mit nur einem großen Zimmer. Quasi von 60 auf 20 qm. Und jetzt? Wohin mit den ganzen Möbeln und meinen ganzen Sachen? Was mache ich mit der fast ungenutzten neuen Küche? Ich kann das doch nicht alles verschenken, da stecken doch meine ganzen Ersparnisse drin. Niemand wollte die Möbel kaufen, geschenkt vielleicht, aber kaufen nein. Die Küche bin ich für einen Spottpreis losgeworden. Da waren sie hin, die Ersparnisse, jetzt wo ich sie als Studentin so gut hätte gebrauchen können. 
Es ging natürlich nicht nur ums Geld. Ich hatte meine erste Wohnung ins Herz geschlossen. Das war mein erstes "eigenes Reich", das ich nun aufgeben musste. Auf das ich in gewisser Weise stolz war, war es immerhin ein Teil meiner ersten lang ersehnten Unabhängigkeit. Es tat schon weh, diese Wohnung aufzugeben für ein Vorhaben, das noch völlig in den Sternen lag. Werde ich den Studienplatz überhaupt bekommen? Wenn nicht, dann muss ich auch aus dem bezahlbaren Zimmer im Studentenwohnheim raus, das ich nur mit viel Glück bekommen hatte. Wie soll ich denn dann eine normale Wohnung in Darmstadt finanzieren bei den horrenden Mietpreisen? 
Wenn man sich ein paar Wochen und Monate mit diesen Fragen und der Suche nach einem Nachmieter plagt, kommt man irgendwann an den Punkt an dem man es nur noch "hinter sich bringen" möchte. Egal für welchen Preis, dann verschenke ich es halt. Hauptsache weg damit, Hauptsache es geht weiter und ich habe einen Punkt weniger auf meiner endlosen To-do-Liste stehen. 
Irgendwann war es dann so weit. Ich stand in Darmstadt in meinem neuen WG-Zimmer. Die Möbel waren aufgebaut, die wenigen Kisten noch nicht ausgepackt. Da steckt alles drin, was Du noch hast. Fühlte sich seltsam an. Einerseits traurig, dass man vieles weggeben musste, weil einfach kein Platz war. Es gab nicht mal einen Keller, in dem man etwas verstauen konnte. Aber auf der anderen Seite fühlte ich mich auch erleichtert. Als ob mir eine Last von den Schultern genommen wurde. Reisen mit leichtem Gepäck, wie man so schön sagt.

Wenn ich überlege, wie viel Kram ich weggeworfen habe. Zum Beispiel all die kleinen Tchibo-Mitbringsel, die ich bei fast jedem Einkauf angeschleppt habe. Aber die sind doch so praktisch. Im Nachhinein ärgere ich mich um all die unnötigen Ausgaben. Braucht man wirklich einen Mozzarella-Schneider, mit dem man auch gekochte Eier schneiden kann? (Ging übrigens beim zweiten Gebrauch kaputt.) Auch das Gerät mit dem man Kartoffeln oder Äpfel - je nach Einsatz - entweder in Spalten oder Stifte schneiden kann, in dem die Äpfel immer stecken geblieben sind, weil sie zu weich waren? Wie lange hat das gute Gefühl beim Kauf wirklich angehalten? Minuten? Kauf Dich glücklich? Wie oft habe ich mich wiederum um die völlig überfüllten Schränke geärgert. Ist doch nicht teuer, ein Schnäppchen. Die sechs Mark, heute etwa drei Euro. Ist doch nicht viel. In meiner Studienzeit waren drei Euro verdammt viel. Ein Essen in der Mensa.

Dann kamen die fünf Jahre Studium in der besagten WG-Wohnung. Die Erfahrung hat meine Einstellung nachhaltig verändert. Es ging auch ohne "Schnickschnack". Und ohne Wohnzimmer! Eigentlich braucht man nicht viel. Und ich war auch ohne "Shopping" glücklich zu der Zeit. Denn wenn wir mal ehrlich sind, die Dinge, die uns glücklich machen, können wir gar nicht kaufen. Was ich aus der Zeit am positivsten in Erinnerung habe ist das Gemeinschaftsgefühl. Wenn wir in Studienzeiten zusammen gekommen sind, ging es nicht darum, wer die schönere Einrichtung oder den am schönsten geschmückten Tisch hat. Auf größeren Feiern hat man sich auf die Zimmer verteilt, ist dadurch immer mit anderen Leuten ins Gespräch gekommen, weil das Essen in der Küche stand, oder man sich im Winter vom Balkon noch etwas kühles Getränk geholt hat. Die Gemeinschaftsspiele oder die Musik war wiederum in einem anderen Raum (nicht, dass es so viele Räume zur Auswahl gab). Und jeder hat einfach etwas zu Essen oder zu Trinken beigesteuert. Es war so einfach.

 Einfachste Deko für ein WG-Pizzaabend mit meinen Mädels ;)

Ich erinnere mich auf unserem Gang hatte jede Wohnung eine Besonderheit. Wir waren die einzige WG mit einem Backofen - zwischen Spüle und Kühlschrank hat jeder die Lücke anders genutzt. Der Ofen wurde beim gemeinsamen Grillen für das Aufbacken der Fladenbrote oder Baguettes genutzt. Die Nachbar-WG hatte dafür die Spülmaschine - die man anschließend dankender weise nutzen konnte. Und die dritte WG hatte einen zweiten riesigen Kühlschrank für Getränke und Eis. Man durfte aber auch beispielsweise die Coppenrath-und-Wiese-Torte für den Besuch dort deponieren, weil der eigene Mini-Kühlschrank keine Gefriermöglichkeit aufwies. Das klappte zwar nicht immer, weil man zum Zeitpunkt des Auftauens dann niemanden in der WG antraf und man telefonisch die Erlaubnis bekam, durchs gekippte Küchenfenster zu steigen. Irgendwie sehr chaotisch - und jeder, der mich kennt, weiß, dass ich Chaos schrecklich finde. Kontrolle und Ordnung geben Sicherheit. Aber da war es ok, man hat alles irgendwie hinbekommen.
Es war ein Miteinander, weil keiner von uns alles im Überfluss besaß. "Hast Du mal Colorwaschmittel oder Schuhcreme?" wurde irgendwann zurückgegeben, als beim anderen über Nacht das Brot verschimmelt war. Oder als der Nachbar das Unkraut mit einem Gasbrenner (?) bei sich entfernte, wurde unseres einfach mal mit entfernt. Einer hatte frischen Spargel, da hat ein anderer spontan die Kartoffeln und die Hollandaise beigesteuert und auf der Terrasse entstand ein spontanes gemeinsames Mittagessen. Diese Momente wogen andere Momente auf, in denen man es Leid war, dass man sich so vieles nicht mehr leisten konnte. Einfach mal so richtig lecker essen gehen, wenn man darauf Lust hatte... Wenn man die stetig wachsende Sharing- oder Tausch-Bewegung aktuell verfolgt, scheint der Trend des Teilens und der Nachhaltigkeit durch Schonung der Rohstoffe immer mehr Anklang zu finden.

Ausblick aus unserem Küchenfenster auf die Europäische Zentralbank 
während der Renovierungspause...

Jetzt, viele Jahre nach meinem Studium, in einer "richtigen" Wohnung im Frankfurter Ostend, vermisse ich dieses Gefühl der Einfachheit und der Gemeinschaft manchmal. Die meisten Freunde sind wieder in ihre alte Heimat oder in eine neue Stadt gezogen und ich sehe sie nicht mehr so oft wie früher. Ich kann mir jetzt Vieles leisten und der finanzielle Notgroschen lässt mich auch friedlicher schlafen. Diese Leichtigkeit und Einfachheit war jedoch ein besonderer Zauber aus jener Zeit. Ich möchte die Zeit auch nicht durch eine romantische rosarote Brille glorifizieren, es war auch hart. Aber vor allem war es eine nachhaltige Lektion für mich, mir diese Bescheidenheit und Bewusstheit zu erhalten. Wir sind erst vor ein paar Monaten von Rödelheim in den Ostend Frankfurts umgezogen und ich wäre an der einen oder anderen Stelle fast in das alte "Konsum-Muster" zurückgefallen. Dann versuche ich aber innezuhalten und frage mich "Macht mich das wirklich glücklich, wenn ich das habe?" Und die Antwort ist meist ein Nein.

Ich plane gerade meinen anstehenden Geburtstag und habe mich vorhin dabei ertappt, dass ich mich ständig frage, was ich anbieten soll. Und ob es ausreichend ist, ob ich schönere Deko benötige, ob meine Gäste schlecht über mich denken werden, weil die Wohnung noch nicht fertig dekoriert ist. Ja, unser Sofa ist noch nicht mal angeliefert. Aber wir haben einen wunderbaren großen Esstisch, an dem wir sitzen, essen, spielen und lachen werden. Ich hatte sogar kurz überlegt, ob ich ohne Sofa überhaupt feiern soll! Ein fehlendes Wohnzimmer - welch Ironie... Doch die alten Erinnerungen haben mich daran erinnert, dass es nicht darum geht, wie schön meine Wohnung ist, sondern dass ich mich so sehr auf die Menschen freue, die mich extra an diesem Tag besuchen werden. Menschen, die einen ganz besonderen Stellenwert in meinem Leben haben und für die ich viel zu wenig Zeit finde. DAS zählt, nicht wie man sich darstellt. Auch wenn beim Kochen etwas schief gehen sollte, sie werden mich trotzdem genauso gern haben wie vorher. Vielleicht sogar noch mehr, weil man keine Fassade aufbaut, weil man Mensch ist und bleibt mit kleinen Fehlern, die liebenswert machen. Und so wie ich jetzt über die kleinen Pannen aus früheren Zeiten lachen kann, ist es doch Stoff für weitere schöne Erinnerungen und Anekdoten...
In Bescheidenheit und Vorfreunde - Eure last-draggoon














                                 
Ein paar Eindrücke vom Sonnenuntergang in meinem geliebten Ostend

Sonntag, 24. November 2013

Angst zu wachsen?

Und wovor fürchtest DU Dich?

Ich bin diese Woche meine Lesezeichen in meinem Internetbrowser durchgegangen und bin auf ein Video von Robin Scharma gestoßen, das passend zum bevorstehenden Jahresende "The 4 Habbits To Make 2013 awsome" heißt - also vier Gewohnheiten die das nächste Jahr (die Jahreszahl ist irrelevant) großartig werden lassen. Als Coach berät er seine Klienten, wie man sich Ziele setzt und konsequent an der Umsetzung dran bleibt. Ohne jetzt den gesamten Inhalt wiedergeben zu wollen, hat mich der Anfang schon nachdenklich gemacht. Der erste von vier Schritten besteht darin, sich einen "One-Page-Plan" zu erstellen, also eine Liste mit meinen Zielen und Visionen für nächstes Jahr auf eine Seite zu schreiben. Mit Zielen meint er eine "magnificent obsession" also eine herrliche Obsession oder Leidenschaft, die man hegt. Man soll sie auf nur eine Seite zusammenfassen, damit man seine Ziele immer vor Augen haben kann und sich auf seine Vision fokussieren kann. Da stieß ich schon auf mein erstes Hindernis, was sind denn meine Ziele fürs nächste Jahr, sowohl beruflich als auch persönlich. An der Stelle könnte ich das Video gleich wieder stoppen, die nächsten Schritte bauen ja auf dem ersten auf. 

Warum kann ich spontan keine richtigen Ziele für nächstes Jahr nennen? Muss ich überhaupt welche haben? Nein, war meine spontane Reaktion. Wenn ich keine habe, dann wohl, weil ich keine will. Aber was mache ich dann nächstes Jahr überhaupt? Womit fülle ich meine Zeit (sinnvoll)? Wenn ich keine Ziele habe, warum habe ich mir dann das Video überhaupt abgespeichert? Und wenn ich ehrlich bin, macht es mich zur Zeit ein wenig unzufrieden, dass ich viele Projekte angefangen habe, aber nicht die Energie habe, sie mit der Inbrunst weiterzuführen, mit der ich sie begonnen habe, vor allem im privaten Bereich. Mein Blog (letzter Post ist drei Monate her), meine Kartengestaltung liegt auch schon lange brach, im Regal stehen viele Bücher, die ich immer noch nicht gelesen habe, angefangene Fotobücher, mein Vorhaben wieder mehr Zeichnen zu üben läuft auch eher schleppend. Das Fotografieren habe ich dieses Jahr als einziges Hobby konsequent entwickelt, hätte aber mit mehr Fokus tatsächlich schon weiter sein können (inklusive meiner Fähigkeiten in der Bildbearbeitung)... Was genau will ich eigentlich? 


Als ich das Video weitergeschaut habe, kam mir ein neuer Gedanke. Er geht auf den Sinn von herausfordernden Zielen ein, warum man seine Grenzen erforschen sollte. " The more you go to the edge of your limits, the more your limits will expand." Also je mehr ich meine Grenzen ausreize, desto weiter werden sich meine Grenzen ausdehnen. "Your previous limits, will be your new normal." Meine bisherigen Grenzen werden also zu meinem neuen Normalzustand. Macht Sinn, und wenn ich zurückblicke, kann ich dem nur zustimmen. Wenn man immer nur in seiner Komfortzone bleibt - also innerhalb der Grenzen, in denen man sich sicher und wohl fühlt, in denen man kein Risiko eingeht, dann bleibt alles wie es ist. Keine Veränderung, kein Wachstum findet statt. Ich bin immer nur gewachsen, wenn ich mich aus dieser Wohlfühlzone rausgewagt habe, mich neuen Herausforderungen gestellt habe - wenn auch nicht immer freiwillig. Als ich meinen alten Beruf an den Nagel gehängt habe, um 350 km von meinem bisherigen Wohnort entfernt zu studieren, hat es mich während der Entscheidungsfindung einige schlaflose Nächte gekostet. Es muss gar nicht so etwas großes sein. Ich erinnere mich noch an meine erste Motorradfahrt als Beifahrer. Ich habe mich so eng an den Fahrer gekrallt, dass bei jeder Bremsung unsere Helme aneinander gehauen sind. Aber ich habe mich der Angst gestellt und ein paar Fahrten später habe ich - laut Kommentar des verwunderten Fahrers - in den Schräglagen bei engen Kurven nicht mal mehr gezuckt. Die alte Grenze wurde der neue Normalzustand. So weit, dass es mir nicht mehr gereicht hatte, hinten nur als Beifahrer zu sitzen, ich habe dann selbst den Führerschein nachgeholt. Was mir ein paar Wochen vorher nicht mal im Traum eingefallen wäre. Und wenn man ein bisschen nachdenkt, fallen wohl jedem eigene Beispiele ein. 
Auch wenn es auf dem Weg manchmal zu Zweifel kommt, wenn man etwas Neues wagt. In Prüfungsphasen habe ich oft geflucht und mich gefragt, warum ich mir das alles überhaupt antue. Auch als ich den Motorradführerschein gemacht hatte, hatte ich Phasen, in denen ich alles am Liebsten hinschmeißen wollte. Ich war ziemlich klein für die Größe der Maschine und konnte gerade mal mit den Zehenspitzen den Boden berühren. Das bedeutete, dass bei jedem kleinen Fehler ich schon im Stand umkippte und unter der Maschine lag. Was mir neben blauen Flecken auch noch spöttische Kommentare meines Fahrlehrers eingebracht hatte. Und die Angst beim Halten auf abschüssigen Straßen oder unebenem Untergrund keinen Boden unter den Füßen zu haben, hat mich so verkrampft, dass ich in engen Stellen bei den Übungen erst recht Fehler gemacht habe und mich noch weniger getraut habe.Aber wie stolz ich war, als ich dann endlich den Schein bzw. das Diplom in den Händen hielt. Gar nicht mal auf das Ergebnis sondern auf mich selbst, weil ich trotz Zweifel bis zum Ende durchgehalten habe. Und im Nachhinein kann ich gar nicht verstehen, warum ich mir das vorher nicht zugetraut hatte.
Um zurück zum ursprünglichen Thema zu kommen, habe ich deswegen keine nennenswerten Ziele für nächstes Jahr? Habe ich nur wieder Angst, mich neuen Aufgaben zu stellen bzw. Veränderungen zuzulassen? Traue ich mir wieder zu wenig zu? Woran erkenne ich, ob ich mich in der Komfortzone ausruhe? Robin Scharma meint dazu "If you're not scared - you're not growing!" Wenn Du keine Angst verspürst, dann wächst Du nicht! 



Und da ist meine Antwort. Wenn ich an nächstes Jahr denke, dann verspüre ich keine konkreten Befürchtungen oder Zweifel. Im April beende ich zwar meine Coaching-Ausbildung, wenn alles gut läuft, aber die herausfordernden Meilensteine hierzu habe ich bereits in diesem Jahr erreicht. Das war mein herausforderndes Ziel für 2013. Und auch hier habe ich mich zwischendurch wieder gefragt, ob ich es schaffe bzw. warum ich mir den ganzen Aufwand eigentlich neben der Arbeit zumute. Und rückblickend kann ich jetzt schon sagen, dass mir diese Ausbildung so viel gegeben hat. Ich habe tolle neue Menschen kennengelernt. Habe viel über mich und meine Grenzen, Stärken und Schwächen erfahren. Und ich meine behaupten zu können, dass ich wieder ein kleines bisschen gewachsen bin. Die alten Grenzen sind der neue Normalzustand geworden.
Ich weiß noch nicht, welches meine Ziele für 2014 sein werden. Na ja, zumindest ein Ziel habe ich schon mal: Herausfinden, in welche Richtung ich noch ein bisschen wachsen will. Sei es im beruflichen Bereich, im persönlichen, familiären oder im kreativen Hobby-Bereich. Wir werden sehen - aber ich freue mich schon darauf es herauszufinden. Ich wünsche Euch jetzt schon mal ein spannendes 2014 und den Mut die eigene Wohlfühlzone zu verlassen und neues Terrain zu erkunden. Es lohnt sich. 

Sonntag, 7. Juli 2013

Ankommen - eine Illusion?

Kommen wir jemals wirklich an?

Das Gefühl hatte vermutlich jeder mal. Man setzt sich ein Ziel, erreicht es. Es setzt ein Gefühl der Zufriedenheit vielleicht auch Erleichterung ein, aber das erwartete Gefühl, dass dann endlich "Ruhe einkehrt" bleibt meist aus. Bald stehen neue Problemstellungen oder Aufgaben an, die es zu erreichen bzw. zu lösen gibt. Es müssen nicht immer Ziele sein, auch verschiedene Lebensabschnitte sind häufig mit Erwartungen verbunden. Nach der Schule, Ausbildung oder Studium wird es leichter, dann bin ich unabhängiger, dann verdiene ich endlich Geld und hab mehr Möglichkeiten. Oder auch bei einer neuen Partnerschaft, bei der Familiengründung, "Wenn die Kinder erstmal aus dem Haus sind", "Wenn ich erstmal Rentner bin..." ... dann wird alles anders, besser, leichter, planbarer usw. Oder dann werde ich dieses oder jenes tun. Dann habe ich es geschafft! Wie viele Leute kenne ich, die die Tage bis zur Rente zählen...

Heute habe ich mich mit jemanden unterhalten, der unzufrieden mit der momentanen Arbeitssituation ist. Eine unerwartete Umstrukturierung hat die ganze persönliche berufliche Planung komplett in Frage gestellt. 
Da kam mir mal wieder der Gedanke: "Hört das denn niemals auf? Kann nicht einmal etwas glatt laufen, so wie man es geplant oder erwartet hat?" Das hat man sich doch verdient, nach dem ganzen Aufwand, nach der ganzen Arbeit oder Entbehrungen, die man dafür reingesteckt hat. Wann erreicht man - ähnlich wie beim Baseball - den nächsten sicheren Zwischenschritt? Wann erreicht man die "Base" und ist "safe" oder angekommen?  Und zum ersten Mal wurde mir richtig bewusst, dass man niemals wirklich irgendwo ankommt - und dass es auch gut so ist!


Wenn ich so zurückschaue, gab es immer Lebensphasen, in denen ich auf etwas gewartet habe oder Ziele,  auf die ich hingearbeitet habe. Damit war immer eine Erwartung an die Zukunft geknüpft. Zum Beispiel "Wenn ich erstmal zuhause ausgezogen bin, dann kann ich alleine entscheiden." oder "Nach dem Studium, wenn ich eine Stelle gefunden habe, habe ich diese Zeit der Unsicherheit geschafft. Dann kehrt etwas Ruhe ein, Stabilität, dann kann ich planen, dann verläuft mein Leben wieder in geordneten Bahnen". Wie oft ich gedacht habe, dass das meine letzte Prüfung im Leben war (ich habe das nach der Ausbildung tatsächlich geglaubt!). 

In Wahrheit geht es dann aber von Vorne los, mit neuen Aufgaben und Erwartungen, die an einen gestellt werden: Welche Kompetenzen fehlen noch und muss ich mir noch erarbeiten? Auch ein neues Ziel muss irgendwann her: In welche Richtung will ich mich weiterentwickeln, wo ist meine berufliche Nische, oder doch erstmal Familienplanung?  
So glücklich ich nach dem Studium war, mein Traumziel erreicht zu haben. So schnell setzt auch mit der Zeit die Ernüchterung ein. Und jetzt? Was willst Du jetzt? Jeder braucht eine Richtung, in die es weitergehen soll. Sonst bleibt man stehen. Für eine gewisse Zeit kann das sicherlich gut sein - muss sogar auch sein um seine Reserven wieder aufzufüllen. Sich einfach mal erholen, Kraft sammeln, durchatmen und in sich reinhören. Bis einen die Unruhe packt und man rastlos wird. Es bleibt einem nicht viel Zeit, bis jemand die Frage stellt, vor der ich mich schon seit ner Weile drücke. Wie geht's jetzt bei Dir/Euch weiter?

Ich habe folgende Sätze schon so oft gehört oder selbst gedacht: "Wenn ich erstmal Rentner bin, dann werde ich...", "Wenn ich nach dem Studium fertig bin und eine Stelle finde, kommt mehr Stabilität und wir können besser planen..." Rückblickend ist es eigentlich nie so gekommen. Es kamen immer neue Situationen, die man nicht beeinflussen konnte: Stellenwechsel, Probezeiten, unerwartete oder unerfüllte Schwangerschaften, im Rentenalter gesundheitlich oder finanziell nicht in der Lage sein für die Dinge, die man sich vorgenommen hatte (vorausgesetzt, dass man hat das Rentenalter erreicht hat) aber auch einfach nur private oder berufliche Rückschläge, die einen unerwartet treffen. 

Im ersten Moment hat mich der Gedanke ermüdet, dass man wohl nie an der Spitze des Berges angekommen ist. Wofür dann der ganze Aufwand? Wozu rackerst Du Dich so ab? Andererseits, wäre es nicht traurig, wenn man tatsächlich ankäme? Wenn danach nichts Neues mehr käme, wofür man morgens aufstehen kann? Ich glaube, es war Einstein, der sagte, dass wir leben sollten, als würden wir morgen sterben aber wir sollen lernen, als würden wir ewig leben. Und ich finde, dass er Recht hatte. Höre niemals auf zu lernen, Dich weiterzuentwickeln. Ich möchte niemals zu den Leuten gehören, die sagen: "Das muss ich in meinem Alter nicht mehr lernen". Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört - und er macht mich traurig und manchmal sogar wütend. Ich habe mir vorgenommen, diesen Satz niemals auszusprechen. In dem Moment hat man aufgegeben, bleibt stehen. Man muss nicht alles können und alles wissen, aber es sollte immer etwas geben, für das man sich interessiert, worauf man neugierig ist. Wir können oft so viel mehr, als wir uns selbst zutrauen. Es ist eher unsere Einstellung, die uns im Weg stehen kann. Was auf uns zukommt, können wir nicht steuern, unsere Einstellung und den Umgang mit solchen Situationen aber schon.

Also sollte bei Euch mal das Gefühl aufkommen, dass Ihr niemals richtig ankommt, dann denkt dran, dass es nichts mit Versagen zu tun hat, sondern für Wachstum und Weiterentwicklung steht und dafür dass das Leben immer spannend bleibt...

Die Fotos habe ich gestern übrigens im "Garten des Himmlischen Friedens" (Chinesischer Garten) in Frankfurt gemacht....

Samstag, 8. Juni 2013

Der Römerberg

Frankfurt - Römerberg

Als es Ende April mal ein paar Sonnentage gab, hab ich mir meine Kamera geschnappt und mich auf den Weg ans Mainufer gemacht, um dort mit meinem Freund die Feierabendsonne zu genießen.



Dabei bin ich über den Römerberg gelaufen, ein Ort, den die meisten Frankfurter eigentlich meiden, weil er an so einem Tag sehr mit Touristen überlaufen ist. Das sind wohl die Bilder, die die meisten aus dem Fernsehen kennen, wenn z.B. die Nationalmannschaft der Menschenmenge vom Balkon aus zuwinkt.
Hier der "Römer", das Rathaus mit dem Gerechtigskeitsbrunnen (Justitia mit unverbundenen Augen, Waage und Schwert): 


Diese Fachwerkhäuser wurden alle nach dem Krieg wieder aufgebaut. Es gibt wohl nur ein ursprüngliches Gebäude, das "Haus Wertheim", das die Bombenangriffe überlebt hat.

Unten der "Kaiserdom" (Sankt Bartholomäus), der streng genommen kein richtiger Dom ist, da er nie als Bischofskirche diente. Hier wurden die Königswahlen abgehalten. 


Die Kunsthalle Schirn ist (neben dem Weihnachtsmarkt) eigentlich der einzige Grund, mich mal auf den überlaufenen Römerberg zu verirren. Hinter der Schirn sind auf dem Weihnachtsmarkt auch immer zwei Winzerstände mit leckerem (weißen) Glühwein ;)



Fazit: Der Römerberg ist zwar nicht der Ort, an dem man sich als Frankfurter oft aufhält, wenn man sich nicht gern durch Menschenmassen wühlt. Aber wenn man Frankfurt besucht, wohl ein "Muss", zumal man auch gleich am Mainufer ist, mit dem historischen Museum und dem Eisernen Steg.